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Kakteen vermehren — Kindel, Stecklinge und Ableger

Wie du aus einem Kaktus viele machst: Kindel abnehmen, Stecklinge schneiden, richtig abtrocknen lassen und bewurzeln.

Kakteen zu vermehren ist einfacher, als die meisten denken — und es ist der günstigste Weg zu einer großen Sammlung. Nur eines braucht es unbedingt: Geduld beim Abtrocknen.

Kindel abnehmen — der leichteste Weg

Viele Arten bilden von selbst Seitensprosse: Echinopsis, Mammillaria, Gymnocalycium, Rebutia. Diese Kindel haben oft schon eigene Wurzelansätze.

  1. Kindel mit einer Hand fassen und seitlich wegdrehen, nicht ziehen. Sitzt es fest, mit einem sauberen Messer abtrennen
  2. Die Ablösestelle zwei bis sieben Tage trocknen lassen
  3. Auf leicht feuchtes, mineralisches Substrat setzen — nicht eingraben, nur aufsetzen und mit ein paar Steinchen stabilisieren
  4. Nach zwei bis drei Wochen zieht der Steckling an, wenn man leicht daran rüttelt — dann sind Wurzeln da

Beste Zeit: April bis Juli. Im Herbst geschnittene Stecklinge bewurzeln schlecht und faulen über Winter.

Stecklinge von Säulenkakteen

Bei Säulen- und Blattkakteen schneidest du ein Kopfstück ab:

  • Schnitt rechtwinklig zur Achse, mit sauberem, scharfem Messer
  • Die Kanten der Schnittfläche leicht anschrägen — so zieht sich die Mitte beim Trocknen nicht ein und die Wurzeln bilden sich am Rand
  • Trocknen lassen, bis die Fläche vollständig verkorkt ist: bei dünnen Trieben eine Woche, bei dicken Säulen bis zu vier Wochen
  • Aufrecht an einem schattigen, luftigen Ort lagern, nicht liegend

Der Reststumpf bleibt stehen und treibt meist mehrfach wieder aus — aus einem Schnitt werden so oft drei neue Pflanzen.

Das häufigste Missverständnis

Fast alle Fehlschläge gehen auf denselben Punkt zurück: der Steckling wurde zu früh in feuchtes Substrat gesetzt. Eine frische Schnittfläche ist eine offene Wunde. In feuchter Erde wird sie innerhalb von Tagen von Fäulniserregern besiedelt.

Lieber zu lange trocknen als zu kurz. Ein Kaktussteckling übersteht Wochen ohne Substrat problemlos — er zehrt von seinem eigenen Wasservorrat.

Blattstecklinge bei Sukkulenten

Bei vielen Sukkulenten — Echeveria, Sedum, Graptopetalum — genügt ein einzelnes Blatt:

  1. Blatt mit einer seitlichen Drehbewegung vollständig ablösen; bleibt ein Rest an der Pflanze, treibt es nicht
  2. Zwei bis drei Tage trocknen lassen
  3. Auf leicht feuchtes Substrat legen, nicht eindrücken
  4. Nach einigen Wochen bilden sich Wurzeln und eine kleine Rosette; das Mutterblatt vertrocknet dabei und wird nicht entfernt, bis es von selbst abfällt

Aussaat als Alternative

Samen sind der Weg zu Arten, die man nirgends als Pflanze bekommt — und sie sind spottbillig. Die Anzucht dauert allerdings Jahre bis zur blühfähigen Pflanze. Alles dazu steht unter Kakteen aussäen.

Pfropfen — für Fortgeschrittene

Langsam wachsende oder chlorophyllfreie Arten setzt man auf eine schnellwüchsige Unterlage. Das ist eine eigene Technik mit eigenen Regeln; sie ist im Gärtner-Bereich unter Vermehren und Pfropfen beschrieben.

Übersicht

Methode Aufwand Dauer bis zur Pflanze Geeignet für
Kindel sehr gering Wochen Mammillaria, Echinopsis, Rebutia
Kopfsteckling gering Monate Säulenkakteen, Opuntien
Blattsteckling gering Monate Echeveria, Sedum
Aussaat mittel Jahre alle Arten
Pfropfung hoch Monate Raritäten, Kakteen ohne Chlorophyll

Im Video erklärt

Anleitungen von Kakteengärtnern und Fachkanälen.

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